Die roemische Republik - von der Gruendung bis Caesar by Jehne Martin

Die roemische Republik - von der Gruendung bis Caesar by Jehne Martin

Autor:Jehne, Martin [Jehne, Martin]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2014-07-03T00:00:00+00:00


VI. Von den Mühen der Berge zu den Mühen der Ebenen: Die Rückwirkungen der Expansion

Nachdem Aemilius Paullus, der große Sieger in der Schlacht bei Pydna, die riesige Beute aus seinem Ostfeldzug 167 bei der Staatskasse auf dem Kapitol angeliefert hatte, verkündete der Senat etwas, wovon der moderne Staatsbürger nur träumen kann: Die römische res publica wolle bis auf weiteres auf die Steuerumlagen bei ihren Bürgern verzichten. Tatsächlich wurde der jährliche, nach dem Vermögen gestaffelte Bürgertribut bis zum Untergang des römischen Reiches nicht wieder erhoben.

Nichts könnte deutlicher machen, in welchen Dimensionen sich die Profite bewegten, die die Römer mit ihren Kriegen erzielten und die sie mit ihren abgabenpflichtigen Provinzen verstetigten. Doch flossen die neuen Reichtümer nur zum Teil in die öffentliche Kasse, viel geriet in private Hände. Die Bewegungen der römischen Armeen beschäftigten zahlreiche Zulieferer. Im Troß zogen die Marketender mit und sorgten einerseits dafür, daß die Soldaten Sold und Beute gleich in Unterhaltung umsetzen konnten, andererseits waren sie die Aufkäufer der Sachwerte, also vor allem der Sklaven. So gab es also Geschäftsleute, die direkt vom römischen Heer lebten und mit ihm zogen, aber daneben entwickelten sich allgemein die Märkte und Handelsrouten, wobei der privilegierte Zugang römisch-italischer Kaufleute zu den Repräsentanten der römischen Macht einen großen Vorteil gegenüber der einheimischen Konkurrenz darstellte. Die wahrscheinlich größten Gewinne machten wohl diese Repräsentanten selbst, keineswegs nur der Oberkommandierende, sondern auch seine Helfer und Offiziere, die fest darauf rechnen konnten, sich in erfolgreichen Kriegen in hohem Ausmaß zu bereichern.

Der nach Italien fließende Reichtum veränderte Wirtschaft und Politik. Investiert wurde in Luxusbauten und einen gehobenen Lebensstil, darüber hinaus in lukrative Geschäftszweige wie Fernhandelskonsortien, Geldverleih und Mietskasernen; doch große Summen scheinen auch in den Grundbesitz und dessen Aufwertung geflossen zu sein. Landwirtschaftlich genutzter Großgrundbesitz warf eine eher schmale Rendite ab, war aber verhältnismäßig krisenfest. Doch der wesentliche Grund für die Beliebtheit dieses Erwerbszweigs lag in dem gesellschaftlichen Ansehen, das daran geknüpft war. Der Tradition nach war ein vornehmer Römer ein Grundbesitzer, und eigentlich konnte man auch nur von einem Grundbesitzer erwarten, daß er sich voll für das Gemeinwesen einsetzte. Dem Phänomen, daß das Kapital – wie es heute so schön heißt – ein scheues Reh ist und schnell ins Ausland flieht, wenn es im Inland nicht gehätschelt wird, begegnete man in der Antike mit der Hochschätzung des Landeigentümers, auf den in einer Bedrohungslage Verlaß war, weil er sein Vermögen nicht aus der Gefahrenzone heraustransferieren konnte.

Die Konsequenz dieser im wesentlichen außerökonomischen Einflußfaktoren bestand in der Verwendung der Reichsgewinne zur Erweiterung des eigenen Grundbesitzes. Wohlgemerkt – das taten nicht nur die Senatoren und die lokalen Adligen, sondern auch Geschäftsleute minderer Herkunft, die zwar ihr Geld in anderen Branchen vermehrten, die gesellschaftliche Statuserhöhung aber über die Imitation senatorischer Lebensweisen als Großgrundbesitzer betrieben. Da in Italien nach den Verwüstungen des 2. Punischen Krieges in manchen Regionen viel Land zur Verfügung stand, war einiges billig aufzukaufen, und da das Gemeinwesen zudem nicht in der Lage war, die Bewirtschaftung des zur Strafe von den Kollaborateuren konfiszierten Landes selbst in die Hände zu nehmen,



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